Was du über osteuropäische Tapas wissen musst

Osteuropäische Tapas, Buffet | eightfingerfood

Lange Zeit habe ich überlegt, wie ich unserem vegetarischen Abendessen etwas mehr Substanz hinzufügen kann. Ich wollte weg von der kulinarischen Dreifaltigkeit, wie ich sie nenne, also Kartoffeln, Fleisch und Gemüse oder Salat. Es ist schon so, dass das Ersatzfleisch immer besser wird und sich diese Dreifaltigkeit mit diesem Zusatz sehr einfach umsetzen lässt. Ganz trauen, tue ich dem Fake-Meat jedoch nicht.

Osteuropäisches Buffet | eightfingerfood

Inzwischen ergänze ich meine Gerichte mit meinen osteuropäischen Tapas. Gerade im Winter ist so ein fermentierter Rotkohl mit den entsprechenden Gewürzen eine kulinarische Berreicherung auf dem Tisch.

Saisonal und regional

Für die Zubereitung meiner osteuropäischen Tapas sind mir saisonale und regionale Zutaten wichtig. Bis zu diesem Entschluss aber war es ein langer Weg. Vielleicht fing alles damit an, dass ich an einem Gartenprojekt in Köln teilgenommen habe. Dort habe ich meine Parzelle mit Familie und Freunden bewirtschaftet. Das war wirklich schön. Und es war unheimlich viel frisches Obst und Gemüse, das wir essen mussten. Damals machte ich auch meine ersten Schritte in Sachen Einmachen.

Wintergemüse | eightfingerfood

Dann kam ein Umzug nach Frankfurt und als Ersatz musste eine Gemüsekiste vom Landwirt aus der Wetterau herhalten. Nie habe ich es darauf angelegt, aber das Gemüse direkt vom Landwirt war einfach frischer und damit besser als aus dem Supermarkt. Diese Frische möchte ich auch für meine osteuropäischen Tapas nutzen.

Fermentieren, sauer oder süß einlegen

Wie das früher war, haben auch meine Vorfahren Sauerkraut selbst eingemacht. Meine Mutter wiederum hat im Herbst ab und an kleine Gurken selbst fermentiert. Diese Salz-Dill-Gurken aber lassen sich nicht mit den Gurken aus dem Glas messen. Wirklich nicht! Gekaufte Gurken aus dem Glas fehlt der Fizzle.

Weihnachtlicher Kompot Rezept | eightfingerfood

Meine Oma wiederum servierte zu Gänsebraten und Klösen Kompot. Dieses Getränk ist nicht mit dem deutschen Kompott zu verwechseln. Kompot ist Obst in Wasser mit Zucker, welches das Wasser aromatisiert. Das war lange Zeit einfach eine Art Saft bis in den 1990er Jahren die Konserven und Säfte das Getrännk verdängt hatten. Inzwischen erlebt Kompot aber auch wieder in Polen eine Revival.

Zakaski, also osteuropäische Tapas

Auch in der osteuropäischen Kultur existiert etwas wie Tapas. Das sind keine Oliven zu Wein, sondern beispielsweise eingelegte Gurken zu Schnaps. Der Gedanke ist aber ähnlich. Im Polnischen heißen sie Zakaski. In den restlichen slawischen Sprachen heißt es so ähnlich.

In meinem Auslandssemester in Warschau habe ich übrigens regelmäßig eine Bar mit dem Namen Zakaski besucht. Neben diversen alkoholischen Getränke wurde dort Hering oder Tartar serviert. Zakaski werden aber auch in Form von Salaten oder eben in Form von Eingemachten serviert.

Polnischer Kartoffelsalat, vegetarisch | eightfingerfood

Die Kündigung

Und dann wurde ich im März 2020 entlassen. Das war bitter. Die Teilzeit-Mutti müssen wohl immer als erstes verabschiedet werden. Übrigens war das bereits meine zweite Kündigung in Folge. Das erste Mal wurde mir nach der Geburt meiner Tocher nur eine 40-Stunden-Stelle angeboten. Ich blieb im März 2020 frustriert zurück und schwor mir mein Schicksal in Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Bevor aber all das über mich kam, war noch etwas Anderes passiert. Ich hatte einen Frühlingsquark aus einem polnischen Kochbuch zubereitet. Er bestand aus körnigem Frischkäse, Radieschen und Schnittlauch. Der Mann sagte, er schmeckt nach Nichts. Damit hatte er nicht unrecht. Bereits vor einer Weile habe ich bemerkt, dass Radieschen, aber auch Schnittlauch an Geschmack verloren haben. Auch habe ich aufgehört Radieschen zu kaufen, denn wer will schon Pappe essen.

Honig-Radieschen, Osteuropäische Tapas | eightfingerfood

Nach einer kleinen Umfrage auf Instagram zeigte sich, dass ich nicht die Einzige bin mit dieser Entdeckung. Mein nächster Gedanke war, dass ich eines Tages Radieschen einlegen werde, um ihnen wieder Geschmack zu verleihen und sie dann verkaufe. Natürlich würde ich mit diesen Gläsern versuchen darauf aufmerksam zu machen, dass Obst und Gemüse an Geschmack verliert.

Mit der Kündigung schließlich dachte ich mir, wann, wenn nicht jetzt. Zuerst habe ich mit Radieschen experimentiert und schließlich kam ich auf die osteuropäischen Tapas.

Ausverkauft

Zu Weihnachten 2020 habe ich meine ersten drei Gläser verkauft. In kurzer Zeit war ich tatsächlich auch ausverkauft. Was ein kleiner Erfolg am Ende des Jahres war, trotz all der Ärgernisse.

  • Russisches Sauerkraut
  • Quittenkompot
  • Honigradieschen

Im Jahr 2021 will ich jetzt weitermachen. Neue Gläser sind bereits in der Planung. Du willst kosten, dann auf zum Shop.

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